AKTIVE THERAPIE - EIN ALTES HEILMITTEL NEU ENTDECKT

AKTIVE THERAPIE - EIN ALTES HEILMITTEL NEU ENTDECKT

Schon vor über 200 Jahren war der schwedische Gymnastiklehrer Per Henrik Ling einer der ersten, der aktive Bewegung als Heilmittel nutzte. Sein Kollege und Physiotherapeut Gustaf Zander entwickelte spätere Apparate zur krankengymnastischen Behandlung, sodass Patienten nicht mehr ausschließlich von Heilgymnasten abhängig waren. Sie brachten den Menschen bei: wer sich eigenständig bewegt, kann Schmerz lindern oder im besten Fall sogar eliminieren. Die zwei darf man deshalb als Pioniere der aktiven Therapie betrachten. Natürlich bleibt die passive Behandlung wie beispielsweise die manuelle Therapie ebenfalls ein wichtiger Pfeiler, um Menschen fit zu machen und in Bewegung zu bringen.

Doch wer seine Patienten zum aktiven Training mittels Krankengymnastik, ob nun als KG oder gerätegestützt als KGG oder MTT bewegt, erlebt in der Regel nicht nur schnellere Therapie-Erfolge. Auch die Motivation der Patienten wird durch eigenständige Übungen gestärkt. Wer in der Gruppe funktionelle Übungen lernt und unter Anwendung von Seilzug- und Sequenztrainingsgeräten seinen Körper trainiert, hat mehr Spaß, Interaktion und überlegt oftmals auch, sich in seiner Freizeit mehr zu bewegen. Das heißt der Therapie-Erfolg wird langfristig zu einer Maßnahme der Gesundheitsprävention. Ein weiteres Plus: Der Physiotherapeut schont zusätzlich seine Hände. Somit bietet die aktive Therapie gleich mehrere Vorteile: sie bringt den Patienten in Bewegung, erhält die Gesundheit der Therapeutenhände und kompensiert durch Gruppentraining den Rückgang der Therapeuten am Markt. Viele Praxen sehen in der aktiven Therapie deshalb ihre Zukunftschance. Denn es gibt es immer weniger Fachkräfte bei wachsender Bevölkerung, die älter wird und dadurch mehr Therapie benötigt. In dieser angespannten Situation ist die aktive Therapie eine nutzbringende und vorteilhafte Lösung für Praxis und Patient.

So funktioniert aktive Therapie

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen: Bewegung beugt nicht nur Erkrankungen vor, sie ist auch ein wertvolles Mittel bei gesundheitlichen Problemen und in der Nachsorge. Das Ziel ist es, durch regelmäßiges, moderates Training einzelne Körperfunktionen gezielt zu verbessern und ein gesundes Körpergefühl wiederzuentdecken. Grundsätzlich ergänzt aktive Therapie die therapeutische Behandlung des Physiotherapeuten. Bei dieser Therapieform mit Einheiten von etwa 15-60 Minuten erhält der Patient einen individuellen Trainingsplan, der seine Beweglichkeit fördert, Muskulatur aufbaut und stärkt. Alle Übungen können an medizinischen Therapiegeräten, im funktionellen Training oder mit Kleingeräten durchgeführt werden. Per Heimtrainingsplan lassen sich funktionelle Übungen auch in den eigenen vier Wänden durchführen.

Studienergebnisse stützen die aktive Therapie

Viele wissenschaftliche Untersuchungen belegen mittlerweile, dass die aktive Therapie sehr erfolgreich bei der Behandlung von akuten als auch chronischen Schmerzen ist. Bei sportlicher Betätigung produziert der Körper schmerzlindernde Stoffe wie Interleukine. Interleukin-6 etwa stimuliert die Bildung neuer Abwehrzellen und wirkt entzündungs-hemmend. Viele Patienten, die an der aktiven Therapie teilnehmen und auch im Anschluss aktiv bleiben, konnten nachhaltig ihre Gesundheit verbessern. Aber nicht nur das: sie steigerten auch ihre Muskelkraft und konnten dauerhaft ihre Schmerzen lindern.

So kommen die Forscher der Bochumer Hochschule für Gesundheit in ihrer Studie von 2018 zum Schluss, dass eine intensive Bewegungstherapie die Bewegungsfähigkeit bei Menschen mit Morbus Parkinson verbessert. Dabei ist das Lee Silverman Voice Treatment – BIG (LSVT) anderen Konzepten nicht überlegen. Spezifische bewegungstherapeutische Therapien scheinen ähnliche Effekte wie das LSVT-BIG-Programm zu haben.

Eine britische Studie von 2019 wiederum hat untersucht, ob bei chronischem Rückenschmerz Übungen im Therapieraum oder Wasser sinnvoller sind. Dabei wurde vor allem auf die Aktivität der Rumpfmuskulatur geachtet. Das Ergebnis: Die Übungen im Therapieraum waren meistens anstrengender, die Muskelaktivierung in vielen Fällen größer und die Herzfrequenz höher. Ein klares Indiz für die besondere Wirkungskraft der aktiven Therapie.