DIE ZUKUNFT HEIßT E-HEALTH

DIE ZUKUNFT HEIßT E-HEALTH

E-Health, mit seinen digitalen Gesundheitsanwendungen, ist ein weltweites Thema. Doch wo geht die Reise hin? Während Skandinavien und die USA Maßstäbe in Sachen E-Health setzen, hinkt Deutschland deutlich hinterher.

Electronic Health, kurz E-Health, ist eines der geflügelten Buzzwörter unserer Zeit. Dabei drückt es nur aus, dass die Digitalisierung auch im Gesundheitswesen angekommen sein sollte. Von der Verknüpfung von Internet und Medizin können Patienten und Ärzte nämlich gleichermaßen profitieren. Für Mediziner und Physiotherapeuten bringen sie Möglichkeiten zur Kosteneinsparung und besseren Betreuung. Für Pateinten bedeuten sie schnelle und ortsunabhängige Hilfe dank telemedizinischer Leistungen. Das einzige Problem: Deutschland ist noch digitales Entwicklungsland – selbst innerhalb Europas.

Digitale Wüste Deutschland

Wie der Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegt, arbeiten rund 40 Prozent der deutschen Krankenhäuser bislang kaum digital. Weder gibt es eine elektronische Patientenakte noch einen digitalen Medikationsprozess, der von der Verordnung bis zum Bett der Patienten reicht. Beides würde die Patientensicherheit deutlich verbessern. Deutschland kommt mit einem Wert von 2,3 noch nicht einmal auf zwei Drittel des EU-Durchschnitts von 3,6. Länder wie die Niederlande (4,8), Dänemark (5,4) oder auch die USA (5,3) erreichen mehr als doppelt so hohe Werte. Verschiedene, teilweise nicht kompatible technische Systeme, wenig Investition und Innovation verhindern bislang eine reibungslose Vernetzung. Und das, obwohl im Digitalen Versorgungs-Gesetz steht, dass bereits jetzt alle Praxen an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein müssen. Als erste Anwendung sollen diese das sogenannte Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) durchführen können. Für Heilmittelerbringer bleibt die Anbindung an die TI freiwillig. Prinzipiell wünschen sich Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und andere Heilmittelerbringer eine schnelle Anbindung an Telematikinfrastruktur. Eine weitere wichtige Rolle spielt dabei die gesetzliche Verankerung von Modellvorhaben zum digitalen Direktzugang – also einer physiotherapeutischen, ergotherapeutischen oder logopädischen Behandlung ohne ärztliche Verordnung.

Telematikinfrastruktur: Datenautobahn für das Gesundheitswesen

Die Telematikinfrastruktur (TI) soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen wie Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken, Krankenkassen besser miteinander vernetzen. Dabei laufen elektronische Arztbriefe oder Telekonsile nur noch über die TI. So sind medizinische Informationen für die Behandlung der Patienten schneller und einfacher verfügbar. Da viele Menschen jetzt schon Gesundheits-Apps oder Wearables nutzen, gehören sie mittlerweile zum Alltag. Deshalb sollen Patienten zukünftig Apps auf Rezept und Online-Sprechstunden eifrig nutzen. Denn Telemedizin ist bei Patienten durchaus beliebt, das zeigen zahlreiche Befragungen. So hat eine repräsentative Umfrage vom Digitalverband Bitkom und der Bayerischen TelemedAllianz ergeben, dass sich 68 Prozent sogar einen Sensor implantieren lassen würden, um den Blutzuckerwert permanent messen zu lassen. Wie lange es wirklich dauert, bis E-Health flächendeckend zu Verfügung steht, bleibt ungewiss. Im Februar 2020 soll das E-Rezept in Deutschland erhältlich sein, die elektronische Patientenakte folgt im Januar 2021. Fest steht nur eins: die Rahmenbedingungen für E-Health-Anwendungen müssen schnellst möglich erfüllt werden, damit Patienten best möglichst therapiert werden – und Deutschland nicht zum digitalen Entwicklungsland mutiert.