MEIN PFLEGER, DER ROBOTER

MEIN PFLEGER, DER ROBOTER

Digitale Technik ist für einige eine Schreckensvision. Das Vorurteil: Sie bedroht Arbeitsplätze. Tatsächlich hilft sie Patienten und Beschäftigten in Heilmittelberufen gleichermaßen. Wir haben positive Beispiele für ihren Einsatz gefunden.

Japaner haben eine innige Beziehung zu ihren digitalen Alltagshelfern. In Altersheimen sind Roboter deshalb keine Seltenheit mehr. Was noch mehr überrascht: Sie werden von ihren Bewohnern fast so geliebt wie Menschen. So kann Robotermodell Pepper mit seinen Bewohnern nicht nur Gymnastik machen, sondern er unterhält die Männer und Frauen auch. Viele entwickeln eine Beziehung zu der künstlichen Intelligenz. Wer nicht mehr ganz so fit ist, der trainiert im Pflegeheim mit einer elektronischen Bewegungshilfe. Eine starke Entlastung für die Pflegekräfte und gleichzeitig ein Gewinn für Pflegebedürftige.

Kuscheln mit der Hightech-Robbe

Auch in Deutschland befinden sich zunehmend digitale Helfer im Einsatz. In einem Kölner Altersheim steht Roboter-Robbe Rosie bei Bewohnern hoch im Kurs. Sie ist etwa einen halben Meter lang, wiegt fast drei Kilogramm und soll die Stimmung von Patienten verbessern. Der therapeutischen Roboter verfügt über Sensoren und künstliche Intelligenz, um ein lebendiges Robbenbaby zu simulieren. Er reduziere Angstzustände und Schmerzen, verbessere die Schlafqualität und verringere das Gefühl von Einsamkeit, sagen die Erfinder. Besonders an Demenz erkrankte Personen nehmen dank Rosie wieder aktiver am Leben teil. Ersetzen solle und könne Rosie niemanden, erklären die Betreiber des Pflegeheims. Deshalb fallen auch keine Arbeitsplätze weg.

Im Sessel durch die Welt reisen

Wer im Caritas-Altenzentrum St. Maternus in Köln lebt, braucht sich für eine Reise nur in einen bordeauxroten Ledersessel der Cafeteria setzen. Mit der Virtual-Reality-Brille geht es dann an Orte, die für Demenzkranke immer verschwommener werden. Nach einem Knopfdruck beginnt die Reise: Köln aus der Vogelperspektive, ein 360-Grad-Rundblick auf die Heimat. Oder in fünf Sekunden an die italienische Adria, der Sehnsuchtsort der sechziger Jahre. Ausflüge, die Erinnerungen wecken und virtuell Reisende glücklich machen.

Sicherheit durch Funk

Das Seniorenzentrum Breipohls Hof in Bielefeld wiederum hat sich für eine spezielle Sensor- und Transpondertechnik im Haus entschieden. Die Transponder, Funk- Kommunikationsgeräte, die als Armband getragen werden können, machen das Personal im Bedarfsfall darauf aufmerksam, wenn sich ein Bewohner dem Ausgang nähert. Außerdem sind unter den Betten und in den Badezimmern Bewegungs- und Präsenzmelder installiert, die im Bedarfsfall registrieren, wenn Menschen aufstehen, oder die erfassen, wenn sie das Bad längere Zeit nicht verlassen haben.

Dass viele Menschen keine Angst mehr vor dem Leben mit digitalen Systemen haben, unterstreicht eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus dem Jahr 2015. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Viertel aller Bundesbürger sich vorstellen können, im Alter von einem Roboter gepflegt zu werden. Für die Optimierung des menschlichen Körpers, wie etwa durch Implantate für eine bessere Gedächtnisleistung, spricht sich sogar knapp mehr als die Hälfte der Befragten aus.