BRANCHENPOLITIK

Elithera rocks! ERFA 2021

Die Teilnehmer der diesjährigen ERFA

Unter dem Motto „Elithera rocks!“ hat Deutschlands größtes Physio-Franchisesystem Mitte September nach Nürnberg geladen und alle sind zur ERFA 2021 gekommen. Praxisinhaber und Teammitglieder aus den über 80 Elithera Standorten ebenso wie Mitarbeiter der Systemzentrale und einige ausgewählte Kooperationspartner, zu denen auch wir von E+S zählen.

Was wie ein Rock-Festival klang, hat sich auch als eben solches herausgestellt. Tour-Shirt, Stoffarmbänder und Fähnchen sorgten für die richtige Stimmung, doch am wichtigsten war natürlich das Feuerwerk an spannenden Vorträgen und der langersehnte Kontakt zu Menschen. War es doch für viele, die erste Präsenzveranstaltung seit langer Zeit. Grundlage der dreitägigen Veranstaltung war selbstverständlich ein gut ausgearbeitetes Hygienekonzept. Der Veranstaltungssaal im Le Meridian Grand Hotel Nürnberg (Foto: Elithera)
Elithera hat an diesem Wochenende wieder eindrucksvoll bewiesen, dass es ein gut funktionierendes Netzwerk von Franchise-Partnern ist und die Gemeinschaft dabei im Vordergrund steht. Als Aussteller waren neben uns u. a. noch Kollegen von ARTZT, Schupp und SenKonzept eingeladen ihre Produkte, Dienstleistungen und Ideen vorzustellen. Sophia Menck und Oliver Peters am E+S Stand im Foyer (Foto: E+S)
Neben der fachlichen Agenda ist besonders das abendliche Rahmenprogramm hervorzuheben. Hier lag am Freitagabend das Augenmerk auf der Kulinarik. Bei einem Degustationsabend wurden im legendären Schindlerhof südafrikanische Köstlichkeiten und Weine serviert. Ganz nach dem Küchenmotto „Franken geht fremd“. Alles in allem war die ERFA 2021 eine rundum gelungene Veranstaltung, die erneut zeigte, wie wichtig der soziale Kontakt nicht nur für Therapeuten und Patienten ist. Alle Anwesenden waren froh, endlich wieder unter Menschen sein zu dürfen. Wir freuen uns bereits auf die nächste Veranstaltung.
Elithera Franchise- und Lizenzsystem für Physiotherapiepraxen mehr findet Ihr hier  https://www.elithera.net

DIE PHYSIOTHERAPIE BRAUCHT INNOVATION

In diesem Blogbeitrag geht es um das Thema Forschung und Innovation. Ein Thema, das uns allen sehr am Herzen liegt und maßgeblichen Einfluss auf die Rahmenbedingungen in der Physiotherapie haben kann. Die Quellen sind transparent und online auf den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und des GKV-Spitzenverbandes verfügbar – unten sind die entsprechenden Links aufgeführt.

Wer und was steckt hinter dem Innovationsfonds? Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Auftrag, neue Versorgungsformen, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung hinaus­gehen, und Versorgungsforschungsprojekte, die auf einen Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung ausgerichtet sind, zu fördern. Zu diesem Zweck hat die Bundesregierung einen Innovationsfonds aufgelegt. Ziel des Innova­tions­fonds ist eine qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Kranken­versicherung in Deutschland. Kurz: Regelversorgung!Dieser Innovationsfonds ist mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) im Jahr 2015 geschaffen worden. Dabei geht es um die Verbesserung der Gesundheits­versorgung in Deutschland. Gefördert werden mit rund 300 Millionen Euro im Jahr innovative, insbesondere patientennahe Versorgungsformen. Der Fonds finanziert sich aus Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und es wurden bisher über 1 Milliarde Euro investiert, darunter 150 Projekte zu neuen Versorgungsformen. Laut G-AB Newsletter 12/20 bewilligte der Innovationsausschuss in 2019 insgesamt 28 Projekte von 73 Projektanträgen von denen 15 das Thema „Digitale Transformation“ behandeln. Der Gesundheitsminister Jens Spahn sagte zu den ersten belastbaren Projektergeb­nissen: „Der Bericht zeigt, der Innovationsfonds funktioniert. Er ist ein wichtiger Motor für die Digitalisierung im Gesundheitswesen – über zwei Drittel der Projekte verwenden digitale Elemente.“ Nun stellen sich uns viele Fragen: •    Was sind das für Projekte? Was für digitale Elemente? •    Welche Art der Digitalisierung wird im Gesundheitswesen erforscht und gefördert? •    In welchem Umfang betreffen sie den Versorgungsauftrag von Heilmittelerbringer? •    Von den 15 Projekten im Rahmen der „Digitalen Transformation“ berühren 2-3 Projekte den Therapiebereich... Zur aktuellen Lage der Versorgungsforschung schreibt Dr. Roy Kühne in der up-aktuell, „Es ist offensichtlich schwierig, den G-BA bzw. den wissenschaftlichen Rat im G-BA davon zu überzeugen, dass Anträge im Rahmen der Versorgungsforschung für z. B. Therapieberufe auch einen gesellschaftlichen Mehrwert haben.“ Den ganzen Beitrag findet ihr hier https://www.up-aktuell.de/themensammlung/thema-politik/2021/02/versorgungsforschung-braucht-eine-breitere-anerkennung.html •    Was bedeutet das für uns als Branche? •    Wird diese Forschung die Rahmenbedingungen der Versorgung beeinflussen? Und wenn ja: wie und von wem? •    Wann werden die ersten Veränderungen eintreten? Unser Ziel ist es, Physiotherapeut:innen über dieses Thema zu informieren, denn der Innovations­­fonds kann im Rahmen des digitalen Wandels in der Physiotherapie als Chance gesehen und genutzt werden. Wir laden euch zum offenen Austausch ein: Was wisst und denkt ihr darüber? Wie ist eure Meinung dazu? Kontaktiert mich gern: p.eichstaedt@gesund-es.de Unser aktuelle Beteiligung bei Forschungsprojekten Im Rahmen des ZIM-Projekts* MOREBA – Mobile Erfassung des Rehabilitationsverlaufes und der körperlichen Aktivität nach operativen Eingriffen am Bewegungsapparat – wurde ein Therapiekonzept in Zusammenarbeit mit uns, der E+S Gesunde Lösungen GmbH, der vital & physio GmbH, der Universität Rostock sowie der Universitätsmedizin Rostock erarbeitet. Das Konzept basiert auf einer digital unterstützten Gruppentherapie, bei der die Patienten unter Aufsicht eines Physiotherapeuten Übungen mit Hilfe einer Softwarelösung an einem Monitor durchführen – unserem videobasierten Versorgungstool YOLii. Den ganzen Beitrag lest ihr hier in unserem E+S Blog: https://blog.gesund-es.de/digital-unterstuetztes-nachbehandlungskonzept/ * Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand, gefördert vom Wirtschaftsministerium
Quellen:
BMG:        https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/i/innovationsfonds.html
G-BA:       https://innovationsfonds.g-ba.de/
GKV:        https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/digitalisierung_und_innovation/innovationsfonds/s_innovationsfonds.jsp

MDR – ALLES NEU MACHT DER MAI

Am 25. Mai 2017 ist die EU-Medizin­produkte­verordnung (MDR, 2017/745 EU) in Kraft getreten. Aufgrund der Pandemie wurde der Geltungsbeginn und somit das Ende der dreijährigen Übergangsfrist um ein Jahr verschoben. Nun löst die MDR das bisher gültige Medizinproduktegesetz (MPG) ab dem 26. Mai 2021 ab. Eine weitere Verlängerung ist nicht zu erwarten. Weiterhin gilt: Produkte, die in einer Gesundheitseinrichtung am Menschen zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken eingesetzt werden, sind Medizinprodukte (sofern Sie keine Arzneimittel sind). Wer also eine Gesundheitseinrichtung betreibt, sollte durch eine Anfrage beim Hersteller sicherstellen, dass sich die  Konformitätserklärungen von neuen, ab dem 26.05.2021 gekauften Produkten, auf die MDR beziehen. Konformitätserklärungen zu Medizinprodukten, die vor dem 26.05.2021 in Verkehr gebracht wurden, dürfen sich auf die bisher geltende EG-Richtlinie 93/42/EWG beziehen. Das gilt auch für Produkte, die von einem Betreiber gebraucht gekauft werden oder die bereits vor dem 26.05.2021 in einem Neuzustand in Verkehr gebracht wurden. Eine erneute Konformitätsbewertung nach MDR ist daher für Bestandsprodukte nicht erforderlich. Warum ist es wichtig, dass meine Geräte weiterhin Medizinprodukte nach MDR sind? Alle Heilmittelleistungen, die mit Krankenkassen, Rentenversicherung oder BG abgerechnet werden, müssen laut Krankenkassenverträgen mit zertifizierten Medizinprodukten erfolgen. Dies betrifft auch Leistungen, die indirekt mit den Krankenkassen abgerechnet werden, wie Rehasport und Funktionstraining. Andere Regelungen im Sinne von Sportangeboten für Selbstzahler Selbstzahlerangebote wie Präventionsmaßnahmen/Fitness, die nicht über die Kranken­kasse abgerechnet werden, unterliegen nicht der Medizinprodukte-Betreiber­­verordnung. Diese Maßnahmen müssen jedoch von den Heilmittelleistungen räumlich getrennt stattfinden. In diesen Räumen dürfen dann sowohl Geräte mit und ohne Medizinprodukte-Zulassung stehen. KGG und §20 SGB Kurse mit Rezeptverordnung müssen hingegen an Medizin­produkten mit MDR Zulassung durchgeführt werden. Medizinisch genutzte Software Medizinisch genutzte Software, die Informationen liefert, welche bei Ent­schei­dun­gen für therapeutische Zwecke hilft, wird in der MDR nun in die Medizinprodukte-Klasse IIa eingestuft. YOLii entspricht den erhöhten gesetzlichen Anforderungen an Medizinprodukte der Klasse IIa. Software, die nicht den neuen Anforderungen der MDR entspricht, kann weiterhin uneingeschränkt als Medizinprodukt (siehe Bestandsschutz) genutzt werden, jedoch ist dort eine Software-Entwicklung zur Abdeckung der fortschreitenden Digitalisierung der Therapie nicht mehr möglich.
Beauftragter für Medizinproduktesicherheit Betreiber von Gesundheitseinrichtungen mit Medizinprodukten und regelmäßig mehr als 20 Beschäftigten sind dazu verpflichtet, einen sachkundigen Medizinproduktesicherheitsbeauftragten innerhalb und außerhalb der Gesundheits­einrichtung als zentralen Ansprechpartner zu benennen. Hierzu gehört die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit separater E-Mail auf der Praxis-Webseite. Verbote & Meldepflichten Nach der MDR ist es die Betreiberpflicht, Geräte auszumustern und dafür Sorge zu tragen, dass diese nicht verwendet werden, wenn sie die Gesundheit oder die Sicherheit von anderen trotz korrekter Verwendung beeinträchtigen. Ein mangel- oder fehlerhaftes Gerät muss sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Bei Fehlern in der Gebrauchsanleitung oder am Gerät selbst, müssen die Hersteller und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte davon in Kenntnis gesetzt werden. Was muss ich als Betreiber einer Gesundheitseinrichtung jetzt tun? Von Stefan Sievers, Inhaber Elithera Gesundheitszentrum Marne, Landes­gruppen­vorsitzender VPT NordWest, Referent vom Cleverdo-Webinar "Medizinproduktegesetz".
  1. Eine Bestandsliste nach §13 MPBetreibV anfertigen in der festgehalten ist, welche Eurer Produkte zertifiziert sind. Im Zweifel beim Hersteller anfragen.
  2. Die nicht-zertifizierten Produkte/Geräte austauschen oder in den Selbstzahlerbereich verlagern.
  3. Nach geltendem Recht zertifizierte Produkte und Geräte bei dem die Rezertifizierung nicht sicher ist, bis zum 26. Mai 2021 kaufen und vor dem 27. Mai 2025 in Betrieb nehmen
  4.  Einen Beauftragten für Medizinproduktesicherheit benennen (in Einrichtungen mit mehr als 20 Mitarbeitern).
Achtung:  Ordnungswidrigkeiten werden mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 30.000 € bestraft. Dieser Artikel ist keine rechtsverbindliche Auskunft; es lässt sich kein Rechtsanspruch daraus ableiten; er ist in keiner Weise einer Rechtsberatung gleichzusetzen. Quellen:  MPG – http://www.gesetze-im-internet.de/mpg/index.html MPBetreibV – http://www.gesetze-im-internet.de/mpbetreibv/index.html Referentenentwurf MDG – https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/M/MPAnpG-EU_RefE.pdf

DAS JAHR IM RÜCK- UND AUSBLICK

Die Physiotherapie darf sich 2019 über eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr freuen. Trotzdem gibt es keine Jubelstimmung unter den Fachkräften. Zu viele Hürden existieren noch und ob die neue Heilmittel-Richtlinie zum 1. Oktober 2020 die Hindernisse wegräumt, weiß noch keiner. Ein starkes Umsatzplus, mehr Patienten und die Blanko-Verordnung: eigentlich sind die Weichen für Physiotherapeuten 2020 auf Erfolg gestellt. Trotzdem blicken viele Physiotherapeuten aufgrund steigender Bürokratie-Abläufe und unklarer Auslegung neuer Gesetze mit Skepsis in die Zukunft. Aber bleiben wir bei den Fakten. Die Bundesweiten Heilmittelumsätze aus dem Heilmittelinformationssystem der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-HIS) veröffentlicht im Jahres- und Quartalsrhythmus die aktuellen Heilmittelumsätze. Jetzt liegt der Bundesbericht für das erste Halbjahr 2019 vor – und der zeigt Veränderungen zum Vorjahreszeitraum an. So stieg der Bruttoumsatz für alle Heilmittel um 18 Prozent auf ca. 4,2 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018. Davon entfielen allein etwa drei Milliarden Euro auf den Bereich der Physiotherapie. Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 18,6 Prozent. Mehr Patienten, weniger Therapeuten Zur Erinnerung: Rund 35 Millionen Leistungen der Physikalischen Therapie und Physiotherapie mit einem Gegenwert von 5,2 Milliarden Euro wurden von den GKV- Versicherten im gesamten Jahr 2018 in Anspruch genommen. Es scheint also so, dass in 2019 der Wert von 2018 deutlich übertroffen wurde. Denn Alterung der Gesellschaft sowie steigende Pflegebedürftigkeit nehmen rasant zu. Zusätzlich sank die Zahl der Physiotherapie- Schüler von 23.139 im Ausbildungsjahr 2010/2011 auf 21.220 in 2017/2018. Das bedeutet: Immer mehr Patienten für weniger Therapeuten. Steigender Bruttoumsatz, hohe Verwaltungskosten Erfreulich ist auch die Entwicklung der Umsatzzahlen je 1.000 Versicherte. Diese liegen im ersten Halbjahr 2019 im Bereich der Physiotherapie bei etwa 42.300 Euro. Das entspricht einem Plus von 17,8 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz je 1.000 GKV-Versicherte lag im gesamten Jahr 2018 bei 71.712 Euro. Keine Überraschungen gibt es bei den drei umsatzstärksten physiotherapeutischen Leistungen im ersten Halbjahr 2019: Krankengymnastik (Einzel) mit 44,8 Prozent, gefolgt von Manueller Therapie mit 15 Prozent und KG-ZNS Erwachsene (Einzel) mit 13,5 Prozent. Interessante Fakten am Rande: Die GKV-Ausgaben des ersten Halbjahrs 2019 für Heilmittel betrugen ca. 4,2 Milliarden Euro. Deutlich darüber lagen die GKV-Ausgaben im ersten Halbjahr 2019 für Netto-Verwaltungskosten mit etwa 5,5 Milliarden Euro. Weniger Papierkram – mehr Einfluss gefordert Papierkram, Digitalisierung, Prüfungen von Heilmittelverordnungen: Fast jeder Therapeut muss sich mit Problem herumschlagen, die nichts mit den unmittelbaren Beschwerden ihrer Patienten zu tun haben. Vor allem, die vom Arzt ausgestellte Heilmittelverordnung muss er so prüfen, dass sie anschließend auch vollkommen abrechenbar ist. Ein Zustand, den die Verbände und Initiativen nicht hinnehmen wollen. Eine Online-Befragung 2019 von  „Therapeuten am Limit“ ergab, dass bei 68 Prozent der Befragten der zeitliche Aufwand der Püfungen so hoch ist, dass die Patientenversorgung darunter leidet. Dies möchten alle ändern. Ein weiteres Problem stellt die nicht vorhandene Regelungskompetenz der Verbände auf die Gestaltung von Gesetzen dar. Der Einfluss der Heilmittelerbringer im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist nur minimal. Sollte sich eine der neuen Regelungen zur Heilmittel-Richtlinie als praxisuntauglich erweisen, gibt es nur wenig Möglichkeiten zur Kurskorrektur. Denn die Heilmittel-Richtlinie wird vom G-BA beschlossen, indem ausschließlich Vertreter der Ärzteschaft, der Krankenhäuser und Krankenkassen sitzen.
Ausblick 2020 Geht es nach Bundesgesundheitsminister Spahn war er bis zur Halbzeit der Legislaturperiode sehr erfolgreich. Auf die Frage nach seiner Arbeit hat er lakonisch geantwortet: „19 Monate – 19 Gesetze! Noch Fragen?“. Die wichtigen neuen Gesetze haben wir hier aufgeführt. • Ab dem 1. Oktober tritt die Heilmittel-Richtlinie (inkl. neuem Heilmittelkatalog) in Kraft – mit zahlreichen Änderungen wie Verordnungsfall und Blanko-Verordnung. • Die Beiträge für Physio- und Ergotherapeuten sowie Podologen zur Berufsgenossenschaft steigen. • Für Therapeuten, die erstmalig von der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP) zertifizierte Präventionskurse anbieten möchten, gelten ab 1. Oktober höhere Qualifikationsanforderungen. • Therapeuten und medizinisches Personal, das nach 1970 geboren ist, muss sich gegen Masern impfen lassen oder seine Immunität durch ein ärztliches Attest beim Arbeitgeber nachweisen. Dies gilt für alle Neueinstellungen ab dem 1. März 2020 – für bereits bestehende Mitarbeiter greift diese Regelung erst ab 31.7.2021.

“WIR MÜSSEN FIT FÜR DIE ZUKUNFT SEIN” – TEIL 2

„Digitalisierung unterstützt den Physiotherapeuten“ René Portwich ist Leiter der vital & physio GmbH in Warnemünde, einem Zentrum für Naturheilverfahren, Physiotherapie und Prävention. Zudem ist er Trainer und Berater für medizinische Berufe und engagiert sich als Vorstandsmitglied im Physiotherapieverband Mecklenburg-Vorpommern. Im Gespräch redet er über Fachkräftemangel und Chancen durch die Digitalisierung. In einem Interview mit dem Ärzteblatt bemängelten Sie vor zwei Jahren fehlende Fachkräfte im Nordosten – und das Zusatzqualifikation aus eigener Tasche zu finanzieren sind. Wie sieht es heute aus? Seit Juli 2019 haben wir in Mecklenburg-Vorpommern den Ost-Westangleich. Das bedeutet, dass im Osten jetzt dieselben Gehälter gezahlt werden können wie auch im Westen. Nach 30 Jahre haben wir endlich eine einheitliche Vergütung. Das bedeutet aber nicht, dass mit der Anpassung die Ausbildung im Bereich der Therapie ansteigt. Es gibt viel zu wenig junge Leute, die überhaupt einen medizinischen Beruf erlernen. In den letzten zehn Jahren ist die Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der Physiotherapie-Berufe um über 80 Prozent zusammengebrochen. 2010 wurden noch über 360 Physiotherapeuten pro Jahr ausgebildet. Mittlerweile liegt die Ausbildung bei 50 Therapeuten pro Jahr. Davon wanderten in der Vergangenheit immer noch viele in die besser zahlenden Westgebiete ab. Oder sie wählten einen anderen Beruf. Trotz der Vergütungserhöhung ist der Beruf des Therapeuten noch immer schlecht bezahlt. Wo liegen genau die Probleme, Herr Portwich? Die Zusatz-Zertifikate sind nach wie vor ein Riesenproblem. Es gibt keinen Beruf in Deutschland, in dem so viele Zertifikate gleich nach der Ausbildung gemacht werden müssen, die auch noch selbst bezahlt werden müssen. Im Bereich der Therapie kann ohne diese Zusatzzertifikate kaum am Patienten gearbeitet werden. Hier wird an einer neuen Ausbildungsordnung vom Bundesgesundheitsministerium gearbeitet, die alle Zertifikate integriert! Eine Akademisierung würde die Fachkräftesituation noch weiter verschärfen, weil Akademiker in der Regel deutlich mehr verdienen, als im klassischen Therapieberuf. Ein weiteres Problem: Therapeuten mit Hauptschul- und Realschulabschluss sind vom Studium ausgeschlossen. Die Gewinnung von ausländischen Therapeuten könnte zwar vieles lösen, aber das Anerkennungsverfahren ist teuer und langwierig. Von denen, die in Deutschland nach dem Jahr 2000 geboren sind, hat Prognosen zufolge die Hälfte gute Chancen, das 100. Lebensjahr zu erreichen. Worin wird die zukünftige Herausforderung der Physiotherapie liegen? Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern den demografischen Wandel etwa zehn Jahre früher als in anderen Bundesländern. Bei uns herrscht eine deutliche Überalterung der Bevölkerung. Vor allen Dingen in strukturschwachen Räumen, wo es kaum noch eine Physiotherapiepraxis gibt. Hausbesuche für Physiotherapie gibt es in diesen Gegenden gar nicht mehr. Die ältere Bevölkerung in den ländlichen Räumen muss deutlich mehr für die eigene Gesundheit machen und der Therapeut andere Wege zur Erhaltung der Gesundheit aufzeigen. Man wird gerade bei Senioren verstärkt auf digitale Angebote zugreifen und muss auf die Akzeptanz der digitalen Lösungen hoffen. Besonders Übungsprogramme im Haus steigen stetig an. Hier ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich, die das jetzige Kassenbezahlsystem und die Gesetzgebung nicht hergibt. Speziell vergütete telemedizinische Physiotherapie mit Unterstützung der Pflegekräfte.
Die Digitalisierung schreitet voran und Datenschutz ist bei uns ein hohes Gut. Jetzt sollen die Gesundheitsdaten der 73 Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland ohne ihr Einverständnis für die Forschung verwendet werden können. Ist das mehr Chance als Risiko – oder überwiegt das Risiko? Im Bereich der langfristigen Beobachtung von Patienten sehe ich die Nutzung von Gesundheitsdaten als Chance. Genauso wie die weitere Entwicklung und Tests neuer Verfahren. Aber nur in dem Fall, wenn alles wissenschaftlich und langfristig überwacht wird. Dann können bei seltenen Erkrankungen Heilungen noch besser dokumentiert werden. Wer soll Ihrer Meinung nach die Medizin der Zukunft, also die komplette Digitalisierung für eine zufriedenstellende Gesamtversorgung, bezahlen? Die Antwort darauf ist einfach: Es ist immer der Versicherte, der mit seinen Beiträgen die Krankenkasse finanziert – und die Krankenkassen finanzieren darüber die zukünftigen Versorgungsangebote für die Bevölkerung. Einen großen Einfluss hat hier auch unsere Regierung, die mit Gesetzen die Krankenkassen als Träger des öffentlichen Rechts zwingen können, in den einen und den anderen Bereich das Geld zweckgebunden auszugeben. Eines ist aber klar: Es ist ein Trugschluss, dass die Digitalisierung den Arzt oder Therapeut ersetzen kann. Sie unterstützt lediglich die Prozesse. Als Vorsitzender des VDB Physiotherapie Landesverband Mecklenburg-Vorpommern sprechen Sie viel mit Praxisinhabern. Wie sind denn unter diesen „digitalen Zukunftsaspekten“ Stimmung und vor allem Bereitschaft, die Praxis fit für die Zukunft zu machen? Die Praxen haben deutliche Hemmschwellen, einen PC für die Praxisverwaltung zu nutzen. Obwohl der Gesetzgeber dafür Fördermittel bereitstellt, um die Abläufe In der Praxis digital zu unterstützen. Und auch der VDB wirkt unterstützend bei der Fördermitteleinwerbung in Mecklenburg-Vorpommern. Einige Praxen haben bereits dieses Angebot genutzt und führen etwa KG-Gruppen digital unterstützt durch. Andere wiederum haben eine Praxisverwaltungssoftware implementiert. Sehen Sie ein Zwei-Klassen-System unter Therapeuten auf uns zukommen? Und zwar jene, die digitalisieren und denen, die sich dagegenstellen? Wir haben derzeit schon ein Zwei-Klassen-System. Wir haben Privatpatienten und Kassenpatienten. Auf Grundlage des demografischen Wandels wird sich das noch einmal verschärfen. Die Menschen werden sich an die digitale Unterstützung gewöhnen. Wir haben ja schon jetzt kaum noch Menschen in Deutschland, die keine EC-Karte und kein Handy haben. Zum Schluss: Was wünschen Sie sich aus Sicht des Physiotherapeuten? •  Deutliche Vergütungssteigerungen •  Zertifikate in die Ausbildung integrieren •  Ausbildungsreform umsetzen •  Abbau der Bürokratie •  Abschaffung des Schulgeldes in allen Bundesländern •  Keine Kammer für Physiotherapeuten und Masseure Für weitere Fachtagungen zum Thema “Physiotherapie 5.0 – Patientenversorgung 2020” finden Sie die Termine und Anmeldeformulare hier.

“WIR MÜSSEN FIT FÜR DIE ZUKUNFT SEIN” – TEIL 1

Kaum einer kennt sich in der Branche so gut aus wie Stefan Sievers. Der Inhaber vom Elithera Gesundheitszentrum Marne und Landesgruppenvorsitzender VPT Hamburg Schleswig- Holstein erklärt in unserem Interview wie wichtig politische Weichenstellungen für den Wandel der Branche sind – und dass es ohne Digitalisierung nicht geht. Stefan, die wichtigste Frage vorab. Ab wann kann man die Einzel-KG in die Gruppen-KG ohne Umwege über Ärzte verschieben? Das wird passieren, wenn der Heilmittelkatalog zusammen mit der Blankoverordnung in Kraft tritt. Also konkret ab Oktober 2020. Für uns Therapeuten bedeutet es, das wir selbstständig von Einzel- in die Gruppen-KG wechseln können. Ich könnte das zwar jetzt schon über den Umweg über den Arzt anfragen. Der Aufwand ist jedoch groß – deswegen geht diesen Weg so gut wie niemand. Die Digitalisierung in der Physiotherapie wird die Branche radikal verändern. Wenn wir den Blick ins Ausland richten – wo stehen wir dann mit unseren Bemühungen? Ganz weit hinten. Einige Physiotherapeuten sind noch nicht im elektronischen Zeitalter angekommen. Rund 50 Prozent der deutschen Praxen sind noch nicht einmal digitalisiert, insbesondere was die Terminvergabe anbelangt. Das kommt mit dem Digitalisierungsgesetz natürlich massiv ins Rollen. Die älteren Kollegen werden möglicherweise sagen, dass sie das aussitzen. Alle anderen müssen sich an die Umstrukturierung ihrer Praxis gewöhnen. Nur auf Papier wird es auf Dauer nicht mehr gehen. Stichwort elektronische Patientenakte, alles wird digital. Als Landesgruppenvorsitzender VPT Hamburg Schleswig-Holstein sprichst Du viel mit Kollegen. Wie sind denn Stimmung und vor allem Bereitschaft, die Praxis fit für die Zukunft zu machen? Ich merke schon den Widerstand unter den Kollegen. Das hängt aber nicht damit zusammen, dass es keine Bereitschaft für Veränderungen gibt. Vielmehr haben viele Angst vor den Investitionskosten und der Zeit, die man für die Einarbeitung benötigt. Einige Kollegen besitzen kaum digitale Erfahrungen. Da muss man dann ganz von vorne anfangen, etwa bei der Einrichtung ihres Tablets. Wir haben etwa ein Prozent sogenannte High Performer, die sich schon jetzt auf dem neuesten technischen Stand befinden. Der große Rest muss sich aber auch der Zukunft stellen. Und zwar lieber jetzt als später. Siehst Du ein Zwei-Klassen-System unter Therapeuten auf uns zukommen? Und zwar jene, die digitalisieren und denen, die sich dagegenstellen? Ich sehe eher ein Altersgefälle. Wer jetzt 60 Jahre alt ist, scheut häufig die Investitionskosten, weil er nicht mehr lange die Praxis führt. Auf der anderen Seite wird es schwierig, eine nicht modernisierte Praxis zu verkaufen.
Die Anbindung an die digitalen Schnittstellen zur Telematik-Infrastruktur und somit zur elektronischen Vernetzung ist bei Physiotherapeuten freiwillig. Was muss getan werden, um finanzielle Hilfen für eine schnelle und großflächige Anbindung zu bekommen? Die Frage ist eher, wollen wir auch die Kollegen zur digitalen Vernetzung zwingen, die kurz vor der Rente stehen? Oder sagen wir, dass es notwendig ist, um zukünftig Wettbewerbsfähig zu bleiben und den Anschluss nicht zu verlieren. Meine persönliche Meinung ist ganz klar zukunftsorientiert. Ohne Digitalisierung können wir weder Patienten qualifiziert noch quantitativ versorgen. Das geht nur mit Unterstützung in Form von digitalen Assistenzsystemen auch in der aktiven Gruppentherapie. Nun kommen die Babyboomer, die bald in Rente gehen. Gibt es für deren Versorgung genügend Physiotherapeuten? Nein. In fünfzehn Jahren haben wir den Peak an alten Menschen in Deutschland erreicht. Schon jetzt beginnen die geburtenstarken Jahrgänge. Dann sinkt die Kurve langsam über zehn Jahre. Ich werde bis dahin im Ruhestand sein, aber hoffe natürlich, dass die Versorgung dann gesichert ist. Nur glaube ich nicht daran, weil uns die Therapeuten fehlen werden. Wir müssen andere Versorgungsmodelle finden. Was lässt sich konkret tun? Die ersten Schritte sind mit der Ausbildungsordnung getan. Ab 2021 soll die Ausbildung zum Physiotherapeuten bundesweit kostenlos sein. Negativ ist zu bewerten, das es momentan in Krankenhäusern schon eine Ausbildungsvergütung gibt. Dann gibt es Bundesländer, wo in unterschiedlicher Höhe für die Ausbildung gezahlt werden muss. Ich halte dieses Gefälle für einen nicht haltbaren Zustand und ungerecht. Zum Schluss: Was wünscht Du Dir aus Sicht des Physiotherapeuten? Ich würde mir eine höhere Anerkennung unseres Berufsstandes wünschen. Und eine Verlagerung in mehr Eigenverantwortung beim Direktzugang. So wie es in den Niederlanden bereits praktiziert wird. Wichtig dabei: Wer keinen Direktzugang möchte, kann weiter auf Verordnung behandeln. Das wäre der richtige Weg. Für weitere Fachtagungen zum Thema "Physiotherapie 5.0 - Patientenversorgung 2020" finden Sie die Termine und Anmeldeformulare hier.

DIE ZUKUNFT HEIßT E-HEALTH

E-Health, mit seinen digitalen Gesundheitsanwendungen, ist ein weltweites Thema. Doch wo geht die Reise hin? Während Skandinavien und die USA Maßstäbe in Sachen E-Health setzen, hinkt Deutschland deutlich hinterher. Electronic Health, kurz E-Health, ist eines der geflügelten Buzzwörter unserer Zeit. Dabei drückt es nur aus, dass die Digitalisierung auch im Gesundheitswesen angekommen sein sollte. Von der Verknüpfung von Internet und Medizin können Patienten und Ärzte nämlich gleichermaßen profitieren. Für Mediziner und Physiotherapeuten bringen sie Möglichkeiten zur Kosteneinsparung und besseren Betreuung. Für Pateinten bedeuten sie schnelle und ortsunabhängige Hilfe dank telemedizinischer Leistungen. Das einzige Problem: Deutschland ist noch digitales Entwicklungsland – selbst innerhalb Europas. Digitale Wüste Deutschland Wie der Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegt, arbeiten rund 40 Prozent der deutschen Krankenhäuser bislang kaum digital. Weder gibt es eine elektronische Patientenakte noch einen digitalen Medikationsprozess, der von der Verordnung bis zum Bett der Patienten reicht. Beides würde die Patientensicherheit deutlich verbessern. Deutschland kommt mit einem Wert von 2,3 noch nicht einmal auf zwei Drittel des EU-Durchschnitts von 3,6. Länder wie die Niederlande (4,8), Dänemark (5,4) oder auch die USA (5,3) erreichen mehr als doppelt so hohe Werte. Verschiedene, teilweise nicht kompatible technische Systeme, wenig Investition und Innovation verhindern bislang eine reibungslose Vernetzung. Und das, obwohl im Digitalen Versorgungs-Gesetz steht, dass bereits jetzt alle Praxen an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein müssen. Als erste Anwendung sollen diese das sogenannte Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) durchführen können. Für Heilmittelerbringer bleibt die Anbindung an die TI freiwillig. Prinzipiell wünschen sich Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und andere Heilmittelerbringer eine schnelle Anbindung an Telematikinfrastruktur. Eine weitere wichtige Rolle spielt dabei die gesetzliche Verankerung von Modellvorhaben zum digitalen Direktzugang – also einer physiotherapeutischen, ergotherapeutischen oder logopädischen Behandlung ohne ärztliche Verordnung. Telematikinfrastruktur: Datenautobahn für das Gesundheitswesen Die Telematikinfrastruktur (TI) soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen wie Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken, Krankenkassen besser miteinander vernetzen. Dabei laufen elektronische Arztbriefe oder Telekonsile nur noch über die TI. So sind medizinische Informationen für die Behandlung der Patienten schneller und einfacher verfügbar. Da viele Menschen jetzt schon Gesundheits-Apps oder Wearables nutzen, gehören sie mittlerweile zum Alltag. Deshalb sollen Patienten zukünftig Apps auf Rezept und Online-Sprechstunden eifrig nutzen. Denn Telemedizin ist bei Patienten durchaus beliebt, das zeigen zahlreiche Befragungen. So hat eine repräsentative Umfrage vom Digitalverband Bitkom und der Bayerischen TelemedAllianz ergeben, dass sich 68 Prozent sogar einen Sensor implantieren lassen würden, um den Blutzuckerwert permanent messen zu lassen. Wie lange es wirklich dauert, bis E-Health flächendeckend zu Verfügung steht, bleibt ungewiss. Im Februar 2020 soll das E-Rezept in Deutschland erhältlich sein, die elektronische Patientenakte folgt im Januar 2021. Fest steht nur eins: die Rahmenbedingungen für E-Health-Anwendungen müssen schnellst möglich erfüllt werden, damit Patienten best möglichst therapiert werden – und Deutschland nicht zum digitalen Entwicklungsland mutiert.

DIE ZUKUNFT DER BRANCHE

Auf dem Heilmittelworkshop Ende Mai in Berlin haben Therapeuten, Politik und Kassen über die Aussichten der Branche diskutiert. Der Einladung von Dr. Roy Kühne (MdB) folgten zahlreiche Vertreter der Heilmittelverbände, Krankenkassen und Politik. Im Fokus: die drei Themenbereiche Nachwuchs, Wirtschaftlichkeit, Branchenzukunft – und daraus Lösungsvorschläge für die Politik zu formulieren. Unter der Überschrift „Was muss in den nächsten drei bis fünf Jahren passieren, damit der Nachwuchs bleibt/kommt?“ sollten Kleingruppen im ersten Workshop dafür Handlungsfelder identifizieren. Heiß diskutiert wurde die Zuständigkeit der Vergütungserhöhung. Soll die GKV aktiv neue Preismodelle anbieten? Sind es die Verbände, die härter verhandeln sollen? Oder muss die Politik noch engere Rahmenbedingungen setzen? Die Arbeitsgruppen haben sich mit einer klaren Positionierung schwergetan. Ein paar Ziele der Teilnehmer wurden dennoch deutlich: der Wunsch nach einer akademischen Ausbildung, die Abschaffung der Zertifikate und mehr positive Werbung für den Beruf. Verbände von der Basis entfernt? „Was aus dem TSVG genau muss umgesetzt werden und was fehlt noch?“ lautete eine weitere Frage. Dabei wurde deutlich, dass die Krankenkassenvertreter oft konkretere Vorstellungen über die Zukunft der Heilmitteltherapie haben als die Verbände. Zu ihren Lösungen gehörten die Abschaffung der Zertifikate und Einführung von Minutenpreisen. Ganz anders sah es bei den Verbandsvertretern aus. Die Forderungen der Funktionäre, so der Eindruck, war ziemlich weit von der Basis entfernt. „Zwei Klassen Therapeuten auf jeden Fall zu verhindern“, oder die These „Logopäden wollen keine Ausbildungsvergütung“ scheinen wirtschaftlich gesehen kontraproduktiv. Die dritte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Frage „Was genau muss in den nächsten fünf bis zehn Jahren passieren, damit die Heilmittelerbringer Verantwortung für die Versorgung tatsächlich übernehmen können?“ So entstanden auch hier einige Lösungsvorschläge. Von der eigenen Preisgestaltung über mehr Praxisbezug bei der Ausbildung bis zur Kompetenzerweiterung reichte das Spektrum der Antworten. Die Resonanz zu diesem Treffen war bei den meisten Teilnehmern ausgesprochen positiv, eine Fortsetzung dieses Veranstaltungsformats durchaus gewünscht. Kühne setzt auf mehr Eigeninitiative Zum Abschluss appellierte Dr. Roy Kühne an die Teilnehmer, man möge auf Seiten der Verbände nicht auf die Politik warten, sondern selbst aktiv werden und mit eigenen Konzepten auf die Politik zukommen. Doch auch die Politik ist hier gefordert. Zwar hat sich seit 2010 die Zahl der Studierenden in den nichtärztlichen Heilberufen verdreifacht. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ im Bundestag hervor. Danach studierten 2010/2011 4.360 Personen Heilberufe wie Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie, 2017/2018 waren es 11.164. Um diese Berufe attraktiver zu machen, benötigt es aber unter anderem auch eine Schulgeldfreiheit sowie eine vollständige Akademisierung des Berufes Mehr Infos gibt es unter: www.up-aktuell.de/hmws